Bookreview
Oliver Dreyer - Kopfschuss
Verlag: UBooks
Format: 142 S., Taschenbuch
Preis: 9,95 €
Genre: Antipop
Seinen 18. Geburtstag feiert Mathias in der Schule. Fast eine Stunde dauert die Party. Dann gleicht das Gymnasium einem Blutbad. Denn Mathias ist ein Amokläufer.
Aufgewachsen mit Familienproblemen und als Außenseiter zieht Mathias sich in seine eigene Welt zurück. Sein Onkel, ein ehemaliger U.S. Navy SEAL, schürt in ihm die Leidenschaft für Waffen. Der schwache Mathias wünscht sich nichts sehnlicher, als ebenso ein SEAL zu sein. Stark, ausdauernd, kämpferisch. Vorerst muss ein Egoshooter genügen. Doch den ständigen Mobbingattacken seiner Mitschüler ausgesetzt, fällt es Mathias nicht schwer, eine Entscheidung zu treffen, wie er seinen Peinigern einen Denkzettel verpassen kann.
Oliver Dreyer schreibt seinen Roman aus der Sicht Mathias`. Die Grenze zwischen Täter und Opfer schwindet. In Rückblicken erlebt der Leser, wie es zu Mathias` blutiger Entscheidung kommen konnte. Beinahe könnte man Verständnis haben, doch sobald man in die unmittelbare Geschichte zurückgeholt wird, schwindet jedes Mitleid. Grausamst realistisch beschreibt Dreyer den Tatvorgang. Seine klare Sprache unterstreicht die Handlungen, verstärkt die panische Stimmung.
Klischeegetreu trägt Mathias schwarz, hört Bands mit Namen „Opfermond“ und „Deathglow“, hat ein zerstörtes soziales Umfeld und ist dick, pickelig und unbeliebt. Noch dazu steht er ganz im Bann gewaltverherrlichender Computerspiele. Immer wieder tauchen Spielbefehle in Mathias` Gedanken auf, er steuert sich während des Amoklaufs. Und auch scheint er sich mit seinem Avatar viper_666 zu vermischen. Wer ist es, der auf Schüler und Lehrer zielt? Wer will sich rächen, wer übt diese abscheuliche Tat wirklich aus? Immer an seiner Seite ist headshot, sein Klassenkamerad Patrick. Auch ein Außenseiter. Doch Mathias mag seine Nähe nicht, kommt jedoch nicht von Patrick los. Schließlich ziehen sie gemeinsam abschlachtend durch die Schule. Aber Patrick steht ebenfalls auf Mathias` Abschussliste. Auch wenn Dreyer sich für die Ichperspektive Mathias` entschieden hat, scheint es doch headshot zu sein, der das Buch zu seinem Titel gebracht hat. Ist also Patrick der eigentliche Antiheld des Romans?
„Kopfschuss“ protzt mit Klischees. Deren Wirkung wird allerdings in einem Nachwort des Autors genommen. Die Geschichte lässt sich sprachlich zwar leicht runterlesen, doch wird es wohl einige Stellen geben, an denen ein Reflektieren unvermeidlich ist. Metaphorisch und grausam – so lässt sich Dreyes Werk in Stichworten beschreiben. Sicherlich keine leichte Abendlektüre.
Score: 7 von 10 Punkten
Jeanny