Review
Kamikaze Queens
Bastard Club Osnabrück, 27.01.2012
Als ich am vergangenen Freitag spontan überlegte dieses Konzert zu besuchen, war mir der Name Kamikaze Queens nur vage bekannt. Umso größer dann die Begeisterung bei einem Auftritt, der in Bezug auf Individualität sicherlich seines Gleichen sucht. Dafür verantwortlich war nicht zuletzt eine Besetzung, die mit Tex Morton an der „Twang Bomb Guitar“; Trinity und Mad Kate, für die „Voluptuous Vocals“ zuständig; Luscious Lloyd, den „Big Bad Bass“ spielend und Nico „Lipps“ Lippolis an den „Demolition Drums“ einen hochkarätigen Auftritt versprach.
Musikalisch wurde von den in Berlin ansässigen Kamikaze Queens auf weiten Strecken geboten, was erwartet wurde: eine Mischung aus Psychobilly (im Stil der Cramps) und Rock’n’Roll, jedoch mit einer ganz eigenen Note und besonders viel Sexappeal. Laut eigener Aussage solle man zu den bereits genannten Musikrichtungen noch alles von „Hot-Jazz über Soul und R&B der Fünfziger / Sechziger bis Garage und Punkrock“ hinzufügen, mischen, und man erhalte den Sound dieser Band. Mit dieser musikalischen Mixtur und einer abwechslungsreichen Songauswahl wusste diese durchaus zu überzeugen.
Noch mehr in den Vordergrund rückte bei dem selbsternannten „Berlin Punk Cabaret“ allerdings die Show: Insbesondere die Tanzeinlagen der beiden Sängerinnen auf ihren Stöckelschuhen, der Einsatz des Kontrabassisten, welcher sich immer wieder auf sein Instrument stellend weiterspielte, und die Erweiterung der musikalischen Unterstützung durch Kuhglocke, Rassel, Megaphon, Tröte und Schellen werteten das Konzert deutlich auf. Daher ist es nicht verwunderlich, dass trotz des etwas gehobenen Alters des Publikums, welches im Schnitt die 30er Marke deutlich überschritten zu haben schien, dieses schnell zum Mitbewegen animiert wurde.
Es war nahezu offensichtlich, dass das Augenmerk der meisten Zuschauer eher den Showeinlagen galt, besonders den beiden Sängerinnen, die neben ihrer Band als Burlesque-Tänzerinnen tätig sind. Dabei war nicht nur das männliche Publikum dafür zu begeistern, sondern auch die weiblichen Zuschauer konnten ihre Blicke nicht mehr verbergen. Die durch das „Chaos der 1920er“ und hedonistischen Umtrieben inspirierte Gruppe machte der eigenen Beschreibung ihrer Liveshows („(…) they've created a sexy, theatrical live performance that's uniquely their own.“) jedenfalls alle Ehre, dass dadurch die musikalische Leistung allerdings schnell in den Hintergrund geriet ist zu bedauern, da diese den optischen Leistungen in nichts Nachstand. Eines der Highlights stellte die Zugabe dar, als Luscious Lloyd auf dem Boden liegend seinen Bass bediente, während Tex Morton (Ex-Gitarrist von Mad Sin) auf diesem Musikinstrument stand und dabei seine Gitarre im Nacken haltend weiterspielte. Wenn man die Gelegenheit bekommt, das alles selbst einmal live zu erleben, sollte man diese Chance wahrnehmen!
Tracklist:
Manu